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Badenweilers Promis

"Unser Professor behandelt nicht Krankheiten, sondern Menschen", schrieb Hermann Hesse über Albert Fraenkel 1909 in einem Brief an seinen Vater. Der ausgebrannte Schriftsteller hielt sich damals in Badenweiler auf, um seinen Akku aufzuladen. Hesse litt an Depressionen und fand in Fraenkel jemanden, der immer ein offenes Ohr für ihn hatte. Sie wurden Freunde.

Dr. Albert Fraenkel, Sohn einer alteingesessenen jüdischen Familie aus der Pfalz kam 1890 als Landarzt nach Badenweiler. Schon nach kurzer Zeit entstand eine große, gut gehende Praxis. Nebenher leitete Fraenkel zwei Sanatorien, die "Villa Hedwig", eine diätetische Kuranstalt und die "Villa Paul", eine Heilstätte für Lungenkranke. "Die Patienten kamen von allen Seiten, in Luxuswagen aus dem Elsass, aus Luxembourg, dritter Klasse aus dem deutschen Osten, aus Polen und Russland, manche trugen, des Deutschen nicht mächtig, Papptäfelchen angehängt mit Aufschriften wie ‚Badenweiler, Dr. Fraenkel‘", schrieb Hesse. Unter den berühmten Patienten waren der russische Schriftsteller Anton Tschechow, der amerikanische Literat Stephen Crane, der Philosoph Karl Jaspers und Elly Heuss-Knapp, die Frau des ersten Bundespräsidenten.

Den Sommer über arbeitete der Professor in Badenweiler, im Winter forschte er in Heidelberg. Er war 1905 der erste, der den natürlichen Wirkstoff "Strophanthin" gegen Herzschwäche mit der Spritze verabreichte, statt es wie bisher als Tinktur oral zu geben, um die damit verbunden Magen- und Darmbeschwerden zu verhindern. Mit diesem Novum erlangte Fraenkel in Ärztekreisen weltweiten Ruhm.

Fraenkel selbst erkrankte 1889, noch vor seiner Zeit in Badenweiler, an Tuberkulose, wurde aber kuriert. Wahrscheinlich hat die Krankheit dem damals erst 25-Jährigen den Weg zur ganzheitlichen Medizin gezeigt, die heute gefragter denn je ist. Das bemerkte auch Hesse: "Gestern Abend war ich mehrere Stunden mit dem Arzt zusammen, in freundschaftlich lebhaften Gesprächen bei Abendessen und einem Glas guten Wein, als sein Gast. Jedenfalls ist das eine raffiniert humane Kur!"

Prof. Dr. Albert Fraenkel verließ Badenweiler in den 1920er-Jahren und zog nach Heidelberg. Dort verstarb er im Alter von 74 Jahren.

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Großherzog Friedrich I. von Baden - ein Name wie ein Donnerhall. Ein Mann wie ein Monument. Stolze 51 Jahre regiert Friedrich der I. als Großherzog in Baden, so lange wie keiner vor oder nach ihm. Dies bringt ihm den Zusatztitel "Der ewige Landesvater" ein. Schon in jungen Jahren interessiert er sich für Politik, studiert in Heidelberg und Bonn. Mit gerade einmal 26 Jahren übernimmt er das Amt seines Vaters, Großherzog Leopold, nach dessen Tod 1852. Friedrich sollte kein Herrscher mit eiserner Hand werden. Im Gegenteil: Zeitlebens gilt er als sehr liberal, offen für neue geistige Strömungen und aufgeschlossen für Reformen.

Wie kaum ein anderer bringt der Regent sein Land vorwärts. Er macht Mannheim zum Zentrum der Industrie, lässt den Schiffs- und Schienenverkehr im ganzen Land ausbauen und schafft so die Grundlagen für den Wohlstand im Südwesten Deutschlands. Er fördert Kunst und Kultur, gründet die Badische Kunstschule und stellt den Religionsunterricht unter die kirchliche, jedoch das öffentliche Schulwesen unter die staatliche Aufsicht. Nur eine von vielen Reformen unter seiner Regentschaft. Die wichtigste aber ist die Einführung der bürgerlichen Ehe.

Er selbst heiratet 1856 Prinzessin Luise von Preußen, die Tochter des späteren Kaisers Wilhelm I. Sie schenkt ihm drei Kinder, sein ältester Sohn Friedrich II. wird der letzte Großherzog Badens. Auf die private folgt bald die politische Vereinigung mit Preußen. 1867 tritt Baden dem Norddeutschen Bund und später dem Deutschen Reich unter preußischer Führung bei. Sein Herzensanliegen, die Einigung Deutschlands unter der Regie Preußens, erfüllt sich. Und 1871 hat Friedrich im Schloss von Versailles die Ehre, vor versammelter Fürstenschar den preußischen König Wilhelm I., seinen Schwiegervater, zum Deutschen Kaiser zu ernennen.

Bis ins hohe Alter bleibt Friedrich I. ein Landesvater zum Anfassen, er ist beliebt beim Volk. Gemeinsam mit seiner Frau Luise reist er durchs "Ländle", zeigt sich bei allen möglichen Anlässen und genießt in der ganzen Bevölkerung für seine Verdienste hohe Anerkennung. Seinen 80. Geburtstag feiert er in Badenweiler, wo ihm zu Ehren ein Fackelzug abgehalten wird. Der Fackelzug ist so lang, dass Friedrich im Stehen einschlummert, so die Erzählung ... Noch heute erinnert ein Denkmal auf dem Burgberg in Badenweiler an den "symbadischen" Großherzog.

Ein Jahr später, am 28. September 1907, stirbt Friedrich I. auf der Insel Mainau, die er 1853 gekauft hat.

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Unternehmerisches Multitalent, genialer Tüftler, umtriebiger Macher. Johann Sebastian Clais, 1742 als Sohn eines Gastwirts und Bäckers im Wiesental geboren, war all das und vor allem eines: seiner Zeit weit voraus.

Landesvater Markgraf Karl Friedrich erkennt dies früh, fördert den jungen Techniker, schickt ihn zur Uhrmacherlehre nach Zürich, holt ihn 1772 als "Hofmechanicus" nach Karlsruhe. Vorher ist Clais auf der Wanderschaft in Paris und London, wo er die Erfinder Benjamin Franklin (Dampfmaschine), James Watt (Blitzableiter) und Benjamin Huntsman (Gußstahl) kennenlernt. Das steckt an: Clais entwickelt eine geniale Indexwaage und wird dafür von der Königlichen Gesellschaft zur Förderung von Kunst, Handwerk und Handel in London mit einer Silber-Gedenkmünze geehrt.

Nicht immer geht alles so glatt: Die Stahlfirma, die Clais 1775 in Rastatt gründet, wird ein Reinfall, er muss vor seinen Gläubigern fliehen. Für Clais wird es fast normal, sein Leben immer wieder mit einem Neustart hochzufahren. Und auch die Programme wechselt er oft. Mal geht es um Eisenbergwerke, mal um Salinentechnik, mal um die Herstellung von Schwefelsäure.

Winterthur in der Schweiz zieht ihn besonders an, 1778 gründet er dort mit Partner Hans Jacob Sulzer eine chemische Fabrik. Das Interesse des dynamischen jungen Mannes aus Baden hat dabei nicht nur unternehmerische Gründe. 1783 heiratet er die 18-jährige Maria Ursula Sulzer, die Tochter seines Kompagnons. Sie bekommt sieben Kinder. Wirklich sesshaft oder gar ruhiger wird Clais deshalb nicht. Im Gegenteil.

Er hat eine Technik entwickelt, mit der sich Salinen deutlich effizienter betreiben lassen - bei den damaligen Salzpreisen ("weißes Gold") eine Sensation. Der Techniker aus Winterthur wird zum weltweit bedeutendsten Salinen-Fachmann und ist entsprechend begehrt. Er organisiert die gesamte Salzeinfuhr für die Schweiz, modernisiert Salinen in Bayern, Österreich und dem Elsass. Landesherren beschenken ihn mit Goldmünzen und Orden, die Städte Zürich, Bern und Winterthur bieten ihm ihr Land- bzw. Bürgerrecht an.

Doch Neider und Intriganten setzen ihm zu, das Schicksal vieler Erfolgsmenschen. 1806 zieht sich Johannes Sebastian Clais aus dem Salinengeschäft zurück und besinnt sich auf seine Markgräfler Wurzeln. Auf Badenweiler, wo er Kindheit und Jugend verbrachte, wo der Vater eine Lehrerstelle bekommen hatte, nachdem der Sohn einen Bettelbrief an seinen Protegé, den Markgrafen geschrieben hatte.

Clais verbringt jetzt regelmäßig den Sommer mit seiner Familie in Badenweiler, erwirbt ein Bauerngut. Er pachtet die Grube Haus Baden, entwirft Pläne für den Ausbau des Kurorts und entwickelt ein Projekt, zur Herstellung von Badenweiler Mineralwasser aus dem Thermalwasser der Römerquelle. Selbst umsetzen kann er die Ideen nicht mehr.

Am 16. September 1809 überfällt Clais in Winterthur ein schweres Fieber. Acht Tage später stirbt er im 68. Jahr eines intensiv gelebten Lebens.

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Die russische Seele - sie ist mehr als Melancholie, Sehnsucht, Hoffnung, Birken und Tee. Sie ist manchmal auch Champagner auf dem Sterbebett. Wie im Juli 1904, im sonnigen Schwarzwald in einem Hotelzimmer in Badenweiler. Anton Pawlowitsch Tschechow nimmt seinen letzten Schluck im Beisein des Arztes und seiner Frau Olga Knipper. Es ist die destillierte Pointe auf ein Lebenswerk, das viel zu früh endete. Ein Werk, das die alltäglichen Kleinigkeiten im menschlichen Leben feinfühlig zwischen Tragik und Komik ausleuchtet. Ein Werk, dessen Nachruhm und Einfluss auf die europäische Literatur des 20. Jahrhunderts grandios ist.

Geboren wird Tschechow in der südrussischen Provinz am Asowschen Meer. Er beobachtet das Leben erst hinter der Krämerladen-Theke seines despotischen Vaters. Später, als Medizinstudent in Moskau, kommt der wissenschaftliche Blick auf die Dinge hinzu. Nebenbei schreibt er. Verfasst kurze, schnell aufs Papier geworfene Humoresken, scherzhafte Miniaturen, Parodien, Satiren. Die russische Seele kennt und diagnostiziert er wie kein Zweiter. Die kleinen Beamten, die hoffnungslos verliebten Mädchen, die Schnorrer, Tagträumer, gescheiterten Intellektuellen, enttäuschten Ehefrauen - sie alle reden und ringen bei ihm beständig mit der Welt. Sie schweigen aber auch viel. Tschechow ist ein Meister des Unausgesprochenen. Ein Meister der Kürze. Da gibt es so viel zwischen den Zeilen. So viel Wucht und Tiefe. So viel Komik.

Tschechow ist ein Arbeitstier, schont sich nicht, trotz schwerer Lungenerkrankung. Er weiß sehr genau, was die Krankheit bedeutet, er ist schließlich Arzt. Doch Tschechow stülpt den bekannten Lauf der Dinge einfach um: Er ignoriert sein Leiden so gut es geht, schreibt, um seinen Arztberuf zu finanzieren, nicht umgekehrt. Als Landarzt behandelt er oft kostenlos. Er gründet auf eigene Kosten Schulen, Bibliotheken, Krankenhäuser. Der einszweiundachtzig große, spindeldürre Tschechow schreibt gegen das Kranksein an - zwischen 1880 und 1903 entstehen über 600 literarische Werke. "Drei Schwestern", "Die Möwe", "Der Kirschgarten" - sie alle werden weltweite Bühnenklassiker. Er schreibt keinen großen Roman wie Tolstoj oder Dostojewski, keinen "Oblomow", keine "Toten Seelen", keine "Anna Karenina". Aber er diagnostiziert in einer Kürze, die kein anderer erreicht. Um zu gesunden, siedelt er lange Zeit des Jahres auf die Halbinsel Krim über. Auch im sonnigen Badenweiler hofft der Todkranke noch auf Besserung seines Zustands. Drei Wochen nach seiner Ankunft stirbt er. Doch nicht, ohne sich noch ein Gläschen zu gönnen. Champagner.

Anton Pawlowitsch Tschechow wurde nur 44 Jahre alt.

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Ernst Krautinger, ein vor über 100 Jahren gestorbener, kaum bekannter Gärtner - ein VIP, eine "sehr wichtige Person"?

1849 wird der 25-jährige Ernst Krautinger in Badenweiler als Gärtnerlehrling, ein Jahr später als Kurgärtner "zur Pflege der Anlagen" eingestellt. Ein einfacher Gärtner, sollte man meinen. Aber das wäre weit untertrieben. Denn Ernst Krautinger ist der eigentliche Schöpfer des Kur- und Schlossparks in Badenweiler. Ein Zeitgenosse beschreibt ihn als "eifrigen, umsichtigen, in seinem Fach gründlich gebildeten Mann". Im Auftrag von Großherzog Friedrich I. von Baden erweitert er nach und nach die bestehenden Parkanlagen. Krautinger versteht es meisterhaft, die reizvolle und naturbelassene Landschaft unterhalb der Burgruine Baden durch Baumgruppen, Wiesen und Beete zum Erlebnis werden zu lassen. Er legt den noch heute sehr prägnanten Kurparkweiher an. Zwischen 1860 und 1865 pflanzt er die ersten Mammutbäume, ein Geschenk des britischen Königshauses. Einige der Riesen stehen heute noch und sind inzwischen über 40 Meter hoch.

Einer seiner Nachfolger, Bruno Müller, schreibt: "Badenweiler hat seinen Glanz durch seine Parkanlagen. Sie sind ein wesentlicher Faktor für Erholung, Entspannung und Erquickung. Immer wieder hört man von Gästen, die weit in der Welt herumgekommen sind, dass die hiesigen Parkanlagen zu den schönsten in Deutschland und weit darüber hinaus gehören. Wir verdanken das dem Schaffen schöpferischer Menschen." Vor allem dem von Ernst Krautinger. Der Kurpark-Architekt mit dem grünen Daumen trägt entscheidend zur Entwicklung von Badenweiler als Kurort bei.

Auch Arbeitgeber Großherzog Friedrich I. von Baden ist von Krautingers Schaffen beeindruckt: Er ernennt ihn zum "Großherzoglichen Gartendirektor", bevor er ihn im Alter von 73 Jahren in den Ruhestand entlässt. Krautingers Sohn, der gleichzeitig Bürgermeister von Badenweiler ist, übernimmt im Juli 1897 sein Amt, stirbt aber nur vier Monate später mit erst 43 Jahren.

In den 47 Jahren seiner Tätigkeit als Gärtner in Badenweiler hat Krautinger sein Werk wachsen und gedeihen sehen können. Noch heute können wir große Teile davon vor allem im östlichen Teil des Kurparks und im Schlosspark bewundern.

Ernst Krautinger wohnte zeitweilig im heutigen "Romantik Hotel zur Sonne" und im großherzoglichen Schloss, bis er in seine eigens erbaute Villa am Schlossberg einzog - mitten im Kurpark. Sie wurde in den 1960er-Jahren abgerissen, heute steht hier das "Hotel Schlossberg".

Ernst Krautinger war und ist eine sehr wichtige Person, nicht nur für Badenweiler. Er stirbt im Mai 1898, kurz nach seinem Sohn.

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Er war der Steppenwolf unter Lemmingen. Hermann Hesse, Dichter und Schriftsteller, Freizeitmaler, Nobelpreisträger und behütetes Kind einer spießbürgerlichen Missionarsfamilie. Seine Mutter schreibt über den erst Vierjährigen: "Es zehrt mir ordentlich am Leben, dieses innere Kämpfen gegen seinen hohen Tyrannengeist, sein leidenschaftliches Stürmen und Drängen." Seine innere Abneigung gegen ein "Du sollst" verstärkt sich in der Schule, die der junge Hesse als reine Zuchtanstalt empfindet. Er ist ein Schiffbrüchiger auf der Suche nach einer Insel, die es nirgendwo gibt. Seine Zuflucht sind Bücher - ein Rettungsanker aus Papier. Eines ist ihm klar: Er möchte Dichter werden - nichts anderes!

Basel, Calw, Göppingen, Maulbronn. Er besucht verschiedene Schulanstalten, aus denen er hin und wieder wegläuft. Einmal greift man ihn auf freiem Feld auf. Der Fünfzehnjährige möchte mit einem Revolver seinem Leben ein Ende setzen "und hingehen wie das Abendrot". Nach einer frustrierenden Mechanikerlehre besinnt er sich und lernt Buchhändler. Plötzlich öffnen sich Türen, erste Werke werden veröffentlicht. Nun ist er da, wo er sein möchte. Zusammen mit seiner ersten Frau Maria flüchtet sich Hesse in eine stille Welt mit Haus und Garten in Gaienhofen. Sie gebärt ihm drei Söhne. Die psychischen Krisen und die Sehnsucht nach Wärme bleiben jedoch bestehen. Hesse kommt fünf Mal nach Badenweiler, befreundet sich dort mit dem Arzt Albert Fraenkel. Eine Verbindung auf Lebenszeit.

Der Erste Weltkrieg bricht aus und in Hesse vollzieht sich ein Wandel. Er schreibt in der Züricher Zeitung an seine Dichterkollegen: "Oh Freunde, nicht diese Töne" und avanciert in den Augen der Deutschen zum Vaterlandsverräter. Auch den Zweiten Weltkrieg verabscheut Hesse zutiefst und veröffentlicht immer wieder Aufsätze unter seinem Pseudonym "Emil Sinclair". 1946 wird ihm nicht zuletzt dafür der Nobelpreis verliehen, zu dessen Verleihung er aber nicht erscheint.

Hesse bereist den Süden, besucht Indien und Indonesien, begibt sich auf spirituelle Pfade. Seine Sehnsucht nach fremden Ländern ist groß und umso größer die Enttäuschung: Der Osten hat ihm leider nichts zu bieten. Er trennt sich von seiner Frau, heiratet noch zweimal und lässt sich ab 1919 bis zu seinem Tode in Montagnola im Schweizer Tessin nieder. Über 35.000 Briefe erreichen ihn dort von jungen Fans aus aller Welt, über 17.000 seiner Antworten sind belegt. Hesses Bücher wurden weltweit 170 Millionen Mal verkauft, darunter Bestseller wie "Siddhartha" und "Demian".

Das zeitlose Sprachrohr vieler Schülergenerationen verstarb 1962 in Montagnola.

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Ein Bildhauer, der als Schauspieler auf der Bühne steht? Ein Maler, der Kostüme entwirft? Ein Bühnengestalter, der Stempel kreiert? Für Oskar Schlemmer kein Widerspruch. Schon gar nicht Absturz. Sondern Versuch, den perfekten Ausdruck zu finden. Er probiert sich aus, er ergründet sich, sein Können, er vermisst die Kunst. "Ich will die romantischte Idee in der abgeklärtesten Form darstellen" (1915). Eine Maxime, der er sein Leben lang treu bleibt.

Der Grundkonflikt im künstlerischen Schaffen hat durchaus familiäre Hintergründe: Maler oder Bühnengestalter, was ist die Berufung? Der Vater: ein geistreicher Komödiendichter, allerdings mit mäßiger Fortune. Das Theater also Leidenschaft, Großraum der gestalterischen Sehnsucht. Die Malerei hingegen hohe, strenge Kunstform, die einsames Ringen um Stil, Fundament und Aussage erfordert.

Vom kunstgewerblichen Zeichner zum Stipendiaten an der Stuttgarter Akademie der Bildenden Künste, bald Meisterschüler von Adolf Hölzel: Das ist Kunst-Karriere, Anfang 20. Dann Erster Weltkrieg, ein Bruch im Dasein. Umso enthusiastischer der Neubeginn: Das Bauhaus ruft, er lehrt und schafft Werke, die prägend sind, Avantgarde. Und die, wie alles, was darauf folgt, "entartet" sein werden, verfemt. Der Makel, den er nie verwindet, nie begreift.

Ein ganz anderes Ringen indes das ums "Triadische Ballett". 1922 in Stuttgart uraufgeführt. "Mechanisch!", meckern die Kritiker. "Revolution des Tanzes", jubeln die Aufgeschlossenen. Für Schlemmer bedeutet die Arbeit am und mit und im Triadischen Ballett: ein Totalkunstwerk schaffen. Den "Sieg der reinen, abstrakten Form" davontragen. Jahrelange Versuche folgen, trotz finanzieller Desaster.

Stuttgart, Weimar, Dessau, Breslau und Schluss: Schlemmer bleibt ab 1933 nur die "innere Emigration". Die Marksteine seiner phantastischen Wandgestaltungen (Folkwang-Zyklus!): magaziniert. Man zieht in die Provinz, Stein am Rhein, Sehringen bei Badenweiler. Eine Künstlerexistenz im Nazi-Reich: nicht mehr möglich. Stattdessen: Anstellung bei einer Stuttgarter Malerfirma, für die Wuppertaler Lackfabrik. Der künstlerische Impuls sucht sich neue Wege: Fensterbilder, Entwürfe zu einem "Lackkabinett". Sogar schon Pläne, selbstironisch als Einmann-Clown durch die Lande zu ziehen. Es kommt nicht mehr dazu. Es bleibt: ein aufregendes, ungeheuer modernes Oeuvre.

Oskar Schlemmer starb am 13. April 1943 nach mehrmonatiger Krankheit in Baden-Baden.

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Man sagt, sie sei die letzte Kaiserin Indiens. Demokratisch gewählt und dennoch mit fast ungeteilter Macht. Ihr Name weckte millionenfache Hoffnung, versprach Erleuchtung und Frieden. Indira Gandhi. Auch in Badenweiler hat sie ihre Spuren hinterlassen. Aufgewachsen in einer wohlhabenden, gebildeten und politisch aktiven Familie ist Indira die einzige Tochter des Staatsmannes Jawaharlal Nehru - einem der führenden Köpfe der indischen Unabhängigkeitsbewegung. Wie dieser besucht Indira Gandhi Universitäten und Schulen in Europa und Indien und ist bereits mit 21 Jahren erste weibliche Abgeordnete des indischen Nationalkongresses.

Sie beugt sich dem weiblichen "Normalschicksal" und heiratet ihren Jugendfreund Shri Feroze Gandhi. Er ist mit dem berühmten Mahatma zwar nicht verwandt, der klangvolle Name erleichtert Indiras Karriere jedoch enorm. Sie bekommt zwei Söhne, Rajiv und Sanjay, und zieht sich zeitweilig aus der Politik zurück.

1963 ist Indira Gandhis Mutter zur Pflege in Badenweiler. Gemeinsam mit ihrem Vater verbringt sie hier im Markgräflerland fünf Monate. Ihre Mutter stirbt noch im selben Jahr in Badenweiler, ihr Vater ein Jahr später. Indira Gandhi tritt in seine Fußstapfen und wird 1967 Premierministerin. Mit Temperament und Empathie gewinnt sie schnell die Sympathien des ganzen Volkes, verspricht eine gerechte und gewaltfreie Zukunft. Die kleine, schmächtige Frau mit zarter Stimme wird von den zerstrittenen Parteigrößen unterschätzt. Man hält sie für eine schwache und leicht manipulierbare Marionette. Doch aus dem Kätzchen wird schon bald ein Tiger.

1969 bootet Indira Gandhi ihren größten Widersacher Desai aus, es kommt zur Spaltung der Partei. Indira Gandhi gewinnt - von den Kommunisten unterstützt - bei den Neuwahlen 1970 die absolute Mehrheit. Im Juni 1975 wird sie wegen Wahlkorruption angeklagt. Als Antwort ruft sie den nationalen Notstand aus und lässt zigtausend Gegner verhaften. Die Hoffnungsträgerin wird zur Diktatorin: Gemeinsam mit ihrem politisch unerfahrenen, aber skrupellosen Sohn Sanjay regiert sie wie eine absolutistische Fürstin.

Nach zwei Jahren Notstandsregime lässt Indira Gandhi Neuwahlen zu. Sie verliert haushoch: Amt und Vertrauen. Drei Jahre später stirbt Sanjay bei einem Flugzeugabsturz. Als sie 1980 von der zerstrittenen Regierung erneut an die Macht geholt wird, ist sie eine gebrochene Frau. Schwere Unruhen zwischen Hindus und den fundamentalistischen Sikhs spalten das Land, Indira Gandhi gibt im Juni 1984 den Befehl zum Angriff auf den "Goldenen Tempel", das größte Heiligtum der Sikhs. Innerhalb von zwei Tagen werden 4000 Sikhs in Neu-Delhi niedergemetzelt.

Die Vergeltung folgt: Am Morgen des 31. Oktober 1984 fällt Indira Gandhi einem grausamen Attentat zum Opfer. 30 Schüsse aus einer Pistole und einem Schnellfeuergewehr töten sie im Garten ihres Büros. Ihr Leichnam wird feierlich verbrannt, die Asche über dem Himalaya verstreut.

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Seine erste Lebenshälfte ist bewegt und ereignisreich, in der zweiten wird er einer der großen deutscher Schauspieler: Charles Regnier.

Als ältester von vier Söhnen kommt er 1914 in Freiburg zur Welt. Von den französischen Eltern seines Vaters erbt Charles Regnier nicht nur seinen Nachnamen - er spricht auch fließend Französisch. Die Großeltern mütterlicherseits betreiben die heutige "Villa Schlössle" in Badenweiler, wo Regnier seine Kindheit verbringt.

Im unschuldigen Alter von zehn Jahren lernt Regnier zum ersten Mal, wie unbarmherzig das Leben sein kann: Der Vater begeht Selbstmord, die Familie verarmt und wenige Jahre später erkrankt Mutter Emilie an Tuberkulose. Nach mehreren Umzügen findet sie mit ihren Söhnen schließlich in Berlin ein neues Zuhause. Der junge Charles will ursprünglich seinem Idol Albert Schweitzer nacheifern und Arzt werden. In Berlin nimmt er stattdessen Schauspielunterricht. Die Nazi-Herrschaft schlägt Wunden: 1934 wird Regnier im KZ Lichtenburg interniert. Der Vorwurf: Homosexualität. Nach neun Monaten kommt der Schauspieler frei. Regnier ist traumatisiert, doch er findet ins Leben zurück: Er heiratet Pamela Wedekind, die Tochter des Dramatikers Frank Wedekind. Drei Kinder machen das private Glück perfekt.

Auch beruflich geht es für Charles Regnier wieder bergauf: Er beendet seine Schauspielausbildung und arbeitet in den 1950er-Jahren unter bedeutenden Regisseuren auf Deutschlands Theaterbühnen. Als auch das deutsche TV-Publikum sein großes, markantes Gesicht kennenlernt, wird Regnier endgültig zur Berühmtheit. Ab den 1960er-Jahren wirkt der intellektuelle Schauspieler in mehr als 100 Kino- und Fernsehfilmen mit wie "Der schwarze Abt", "Rosa Luxemburg" und "Cascadeur - Die Jagd nach dem Bernsteinzimmer". Meist verkörpert Regnier zwielichtige Gestalten. In den letzten 20 Jahren seiner Karriere kehrt der Vollblut-Schauspieler dann vermehrt auf die Theaterbühne zurück, an der Seite von Sonja Ziemann, die er nach dem Tod seiner Frau Pamela geheiratet hat.

Im Alter von 87 Jahren stirbt Charles Regnier an den Folgen eines Schlaganfalls. "Der Spiegel" würdigt ihn in einem Nachruf als einen "Theatermann alter Schule, belesen und vielseitig."

Charles Regnier wird 2001 in Badenweiler-Lipburg beerdigt.

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Es war ein Leben auf der Überholspur mit Stoff für hundert Jahre. Stephen Crane, Schriftsteller und Journalist. Er ist das jüngste von 14 Kindern eines Methodistenpredigers, wird überstreng erzogen. Nach dem frühen Tod der Eltern stürzt er sich kopfüber in die Wirklichkeit am anderen Ende seiner behüteten Welt. Er lebt mit Prostituierten und Kriminellen im Slum, experimentiert mit Drogen und macht einen Roman daraus ("Maggie: A Girl on the Streets", 1893). Er treibt über 50 Stunden als Schiffbrüchiger auf dem Meer, ist einer von nur vier Überlebenden und schreibt die Erzählung "Open Boat". Als Kriegsberichterstatter jagt er wie besessen den Waffengängen seiner Zeit hinterher, in Mexiko, in Griechenland, auf Kuba. Er erlebt Ruhm, Reichtum und finanzielle Abstürze in schnellem Wechsel.

Mit "The Red Badge of Courage" ("Die rote Tapferkeitsmedaille") schafft Stephen Crane 1895 ein Stück Weltliteratur. Er hat Veteranen interviewt, Schauplätze von Schlachten besucht, verbissen recherchiert. Denn er hat einen Plan. Erstmals beschreibt ein Autor den amerikanischen Bürgerkrieg nicht mit heldischem Pathos. Im Gegenteil: Crane schildert die Schrecken des Krieges am Beispiel des jungen Patrioten Henry Fleming drastisch, fassbar, nah und aufwühlend. Ernest Hemingway adelt Cranes Schlüsselroman später als "eines der besten Bücher unserer Literatur". Die Verfilmung von 1951 wird von den Zensoren der McCarthy-Ära auf 69 Minuten zusammengeschnitten, sie entfernen Passagen, die ihnen zu kriegskritisch erscheinen. Regisseur John Huston distanziert sich später von dem Werk.

Verbittert wegen der Anfeindungen einiger Landsleute, zieht Crane 1897 nach England, ist befreundet mit H. G. Wells, Joseph Conrad und Henry James. Von einer Auslandsreise bringt Stephen Crane Malaria mit, er erkrankt an Tuberkulose, sein Leben ohne Luftholen tut ein Übriges. Im verzweifelten Kampf um Heilung reisen Crane und seine Frau Cora am 24. Mai 1900 in den Schwarzwald. Seine letzte Hoffnung ist der in Badenweiler lebende, berühmte Arzt Dr. Albert Fraenkel. Doch auch er kann dem Schwerkranken nicht mehr helfen. Noch auf dem Sterbebett diktiert er seiner Frau Textfragmente der Novelle "The O'Ruddy", zwei Tage vor seinem Tod. Am 5. Juni 1900 um 3.00 Uhr nachts stirbt Stephen Crane im zweiten Stock der Villa Eberhardt an der Badstraße 2 in Badenweiler. Die Leiche wird nach Dover und später New Jersey/USA überführt, wo er im Familiengrab beigesetzt wird.

Stephen Crane wurde nur 28 Jahre alt.

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Nur Gutes. Wenn man in den Archiven kramt, findet man wenig bis nichts, was das Ansehen des SPD-Politikers und ehemaligen Bundespräsidenten Johannes Rau in irgendeiner Form beschädigen könnte. Sicher, da waren in der Zeit als Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen (1978 - 1998) die Affären um die WestLB, einige Skandälchen, landespolitisch typischer Filz und auch die eine oder andere Fehlentscheidung. Doch in Erinnerung bleibt der Menschenfreund, der Versöhner, der sozial engagierte Politiker, der Bescheidene, der Zuhörer, der "Bruder Johannes" - wie er wegen seiner Art, den protestantisch christlichen Glauben offen zu leben, genannt wurde.

Mit Badenweiler verband der gelernte Verlagsbuchhändler aus Wuppertal eine innige Beziehung. 1964 bedrängte ihn eine schwere Herzattacke, der erste Besuch im Markgräflerland sollte seiner Gesundheit zuträglich sein. Später erinnerte sich Rau in geselliger Runde am Skattisch, wie er im Kurpark die Eichhörnchen gefüttert und über das Leben sinniert hatte. Rau kam öfter, Rau kam gerne, Rau kam mit seiner Familie. Sie alle schätzten das milde Klima am Oberrhein, die Gastfreundschaft, die Küche und die einzigartige, mondäne Atmosphäre in Badenweiler. Der südbadische Kurort wurde nach Wuppertal, der Bundeshauptstadt Berlin und der Nordseeinsel Spiekeroog, wo er ein Ferienhaus besaß, zu einer weiteren Heimat. "Das Markgräflerland ist einer der schönsten Teile unseres geliebten Vaterlandes, und ich bin froh, dass ich es so gut kennen darf", sagte er einmal. Im Jahr 2005, wenige Monate vor seinem Tod, wurde der Politiker wegen seiner mehr als 40-jährigen Treue zum "Ehrengast" gekürt.

Eine Ehrung, die ihm zwar nicht peinlich war, die ihn aber dahin katapultierte, wo er trotz seiner Ämter und der damit verbundenen Aufmerksamkeit nie so gerne gestanden hatte: im Mittelpunkt des Interesses. Rau war uneitel, er war ein Politiker der leisen Töne, er hat die Würde des Amtes des Bundespräsidenten nie mit der Würde der eigenen Person verwechselt. Profilneurosen waren ihm fremd, seinem Gegenüber begegnete er stets auf Augenhöhe - war es der Kellner im Straßencafé oder ein anderer Politiker. "Das Wichtigste waren die Menschen, die Namen und Adressen haben, aber keine Schlagzeilen füllen", sagte er 1998 bei seinem Abschied aus Nordrhein-Westfalen. Er setzte sich als Staatsoberhaupt nachdrücklich für ein besseres Miteinander von Ausländern und Deutschen ein, das deutsche Verhältnis zu Israel wurde durch seine bewegende Rede vor der Knesset im Jahr 2000 nachhaltig gestärkt. Das alles bleibt in Erinnerung. In Badenweiler sind es vor allem seine zahlreichen Besuche.

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